Mojtaba Khamenei - eine lange bekannte Personalie

Diverse Medien berichten über den "völlig unbekannten" Mojtaba Khamenei oder über eine  weitgehend anonyme Personalie, die sich in einer rätselhaften Struktur bewegt. Andere meinen, es sei ein neuer Player, von dem man nichts wisse und auf den sich die Geheimdienste gänzlich neu einzustellen haben.

Das ist weitgehend Unfug. Es sollte bekannt sein, dass Mojtaba Khamenei diverse, nicht nur geschäftliche Verbindungen nach Deutschland, Österreich und darüber hinaus hat. Dazu liegen viele interessante Details vor, die ein Netzwerk zeichnen, welches man genauer im Blick haben sollte.

Die Person selbst ist seit langer Zeit bekannt und ein Blick in die vor längerer Zeit geleakten US Kabel zeigt eine Person, die unter geheimdienstlichen Gesichtspunkten ohnehin höchst interessant ist. 

Ich habe das hier lediglich rudimentär gesammelt, aber festgestellt, dass diese wenigen folgenden Angaben mit einer Unzahl an ergänzenden Informationen angereichert werden können.




Die WikiLeaks-Dokumente zeigen für die Zeit vor seiner jetzigen Funktion konsistent drei Muster: erstens Mojtaba als informeller Gatekeeper zum Obersten Führer (diese Rolle soll er jetzt selbst erfüllen), zweitens als Schnittstelle zwischen Führung und IRGC/Sicherheitsapparat, drittens als wiederkehrenden Faktor in Nachfolge- und Repressionsfragen. Damit ist die These, er sei „bis heute praktisch  unbekannt“ gewesen, nicht haltbar. Zutreffender ist, dass er öffentlich wenig sichtbar, aber in diplomatischen und anderen Berichten seit spätestens 2007 wiederholt als relevanter Machtakteur behandelt wurde.

Für Deutschland und die EU liegt die geheimdienstliche Relevanz weniger in der Person als schillernde Figur, sondern in dem, was sie strukturell anzeigt: informelle Entscheidungswege, IRGC-Nähe, mögliche wirtschaftliche Schutznetzwerke, erhöhte Bedeutung für Sanktions- und Compliance-Lagebilder sowie mögliche Implikationen für Diaspora-/Oppositionsschutz und die Bewertung künftiger Nachfolgeszenarien. 


Jetzt repräsentiert er die Führung - aber er ist angreifbar! Aufgrund seiner Verstrickungen in bestimmte Aktivitäten in Europa, auch in Deutschland, ist es notwendig, das ihn stützende und schützende Umfeld, ein im Hintergrund agierendes Netzwerk, zu beobachten und entsprechend zu bearbeiten.

Sollte der iranische Geheimdienstapparat nicht nachhaltig zerstört werden bzw. mit den unmittelbaren Auswirkungen der militärischen Angriffe beschäftigt sein, so wird er sich noch aggressiver auf jene Personen im Westen fokussieren, die ihm schon lange ein Dorn im Auge sind. Dass er dabei auch nicht vor Mord  zurückschreckt, müsste entsprechende Ressourcen bei den westlichen Sicherheitsbehörden freigeben.